Neulich im WDR. Die aktuelle Stunde. Sie sagen: „Je intensiver die Bindung zwischen Vater und Kind am Anfang ist, desto stärker ist der Nachwuchs später.“

Was heißt das? Intensiv? Wie viel Zeit muss und kann ich aufbringen?

Von anderen Väter weiß ich, dass es oft so läuft: Feierabend. Nach Hause. Essen. Gutenachtkuss. Am Leben des Kindes „teilhaben“. Mehr ist nicht drin. Der Job lässt es nicht zu.

Ich will mehr! Mehr Zeit haben. Am liebsten den ganzen oder wenigstens den halben Tag. Das Leben meiner Tochter mitgestalten. Sie prägen und stärken. Interessen, Talente und ihren Charakter positiv beeinflussen. Aber wann? Und wie? Ist Zeit der entscheidende Faktor?

Mein eigener Vater hat immer von früh bis spät gearbeitet. Morgens um 8 war er weg. Abends um 8 war er zurück.

„Du bist nie für mich da!“

Das habe ich oft gesagt. Als ich klein war. Aber nie laut. Nur in meinem Kopf. Laut ausgesprochen hätte es ihn vermutlich todtraurig gemacht.

Mit dem kleinen roten Peugeot und dem großen Zelt nach Italien. Skier aufs Dach und quer durch die Alpen, ab in den Schnee. Mit dem Wohnmobil durch Schweden. Wildwasser-Rafting in Kanada. Wandern durch den Dschungel Südamerikas. Das prägte meine Kindheit.

Hauptbeauftragter für Abenteuer und Grenzerfahrungen: Mein Vater!

Ich weiß heute nicht, wie viel Zeit ich in Zukunft für meine Tochter habe werde. Aber ich weiß sicher: Die Stundenzahl ist nicht entscheidend. Wichtig ist, was ich aus der gemeinsamen Zeit mache. Ich habe die Chance, für mein Kind zu dem Menschen zu werden, der ihr die große spannende Welt zeigt.

Und wichtig ist, was Du draus machst! Zweifel nicht! Sei Vater, so wie es sich für Dich richtig anfühlt. Egal was andere sagen. Zeit ist relativ. Hat schon mal jemand viel schlaueres als ich festgestellt.

Heute, nach über 30 Jahren, bin ich meinem Vater unendlich dankbar. Für seine Ideen, die Abenteuer und die Vielfalt. Es hat mich zu einem offenen und starken Menschen gemacht, der neugierig durch die Welt läuft und das Risiko liebt. Niemals würde ich ihm heute sagen: „Früher warst Du nie für mich da.“ Er war für mich da. Immer wenn es wichtig war.

Danke, Papa!