Ganz allein. Es ist tief in der Nacht. Stockdunkel. Niemand da. Unheimlich. Beängstigend. Gefahren in jeder Zimmerecke. Ja, so könnte eine solide Gruselgeschichte anfangen.

Aber hier geht’s um Dein Baby!

Es geht um die Gefühle eines Babys. Nachts. Wenn es alleine in seinem Raum, in seinem kleinen Bettchen liegt. Ein Gefühl das das Baby nicht einordnen kann. Es schreit! Laut. Sehr laut!

Also los. Ching Chang Chong. Verloren! Mist! Aufstehen, rüberstolpern, Baby hochnehmen, drücken, festhalten, beruhigen, wieder hinlegen, die Stille genießen und sich wieder aufs Ohr hauen. Das hat geklappt.

Okay, doch nicht.

Es schreit! Wieder. Also los. Neue Runde Ching Chang Chong. Aufstehen, …

An dieser Stelle ist das Dilemma besiegelt. Die Nacht ist im Arsch. Erst nach gefühlten hundert Wiederholungen dieses nächtlichen Fitnessrituals ist endlich Ruhe. Eltern hellwach. Baby schläft.

Es schläft doch, oder?

Bücher mit Anleitungen zum “Schlafen lernen” sind Top-Seller bei Amazon. Diverse Techniken, um ein Baby “schnell müde zu machen”, sich immer wiederholendes Beruhigen sollen es richten. Klar, ein Baby ist ja nicht doof. Wir sind ja in der Nähe. Das lernt das schon. Bald. Hoffentlich.

Ja, was ist das denn für ein Quatsch!

In den ersten Monaten nach der Geburt kann ein Baby überhaupt nicht einschätzen wo sich die Beschützer, Mom und Dad befinden. Wie soll es dann beruhigt schlafen? Es lebt im Hier und Jetzt. Entfernung und Zuordnung kennt es nicht. Auch Zeit ist kein Parameter, welcher im Bewusstsein des Babys vorkommt. Es weiß nicht wo Mom und Dad sind und es weiß nicht wann sie zurückkommen, damit es sich wieder beschützt fühlt. Es weiß ja nicht einmal wer oder was Dad ist. Das zu beleuchten wäre an diesem Punkt zu ausführlich.

Weiter im Text. Das Baby schläft sanft, wenn es alleine ist. Ein Irrglaube. Das Baby schläft nicht. Es fällt in eine Schockstarre. In eine richtige Ohnmacht. Der kleine Körper ist immer wiederkehrenden Angstphasen ausgesetzt. Beschützer da. Beschützer wieder weg. Beschützer da. Beschützer weg. Und noch mal. Und noch mal. Und noch mal. Dieser kleine Körper hat irgendwann genug. Alle Systeme werden auf das Minimum runter gefahren. Ein Mechanismus, der dem Selbstschutz dient, bevor wirklich alle Systeme total kollabieren.

Im Bauch. Seit das Baby existiert, war das Ungeborene umgeben von einer schützenden Hülle. Es nahm den Herzschlag von Mom war und spürte ihr beruhigendes Atmen. Intuitiv wusste es, das hier ist ein sicherer Ort. Hier bleib ich. Hier ist es gut. Nähe und Urvertrauen. Find ich klasse. Kann ich ja mal ne Runde schlafen.

Da Baby ist eine Symbiose mit Mom. Entreißt man es dieser Einheit, fehlt die Nähe und das Atmen. Urvertrauen und die Sicherheit werden massiv gestört.

Bist Du als Erwachsener schon mal mit Angst oder Sorgen zu Bett gegangen? An schnelles Einschlafen war nicht zu denken. Albträume. Stress. Unruhe. Aufschrecken. Am nächsten Morgen körperlich total kaputt.

Und jetzt stell dir das bei einem kleinen Baby vor! Bevor der Stress zuschlägt, lieber gleich alle Systeme abschalten. Irgendwie dann doch wieder eine gruselige Geschichte.

Dabei geht’s ja doch recht einfach.

Das Baby neben dem Elternbett. Oder ein großes Familienbett. Die Möglichkeiten um das Urvertrauen aufrecht zu erhalten sind vielfältig. Und neben einem gesünderen Schlaf kann das noch viele andere Vorteile bringen:

Die Gefahr des frühen Kindstodes (passiert übrigens seltener als es das böse Internet vermuten lässt), der durch das Aussetzen des Atmens ausgelöst werden kann, könnte deutlich verringert werden. Kleine Atemaussetzer gibt es immer mal. Liegt das Baby aber in der Nähe, hört es das Atmen der Eltern. Und es kopiert einfach. Es atmet praktisch mit. Die Schlafgeräusche und der bekannte, angenehme Geruch von Mom sind ebenfalls fördernd.

Auch beim Stillen kann es deutlich entspannter sein. Für Mom heißt es, nicht jedes mal aus dem Bett zu klettern. Ist man einmal hoch, ist das einschlafen schwer bis unmöglich. Liegt das Baby aber direkt neben einem, geht’s viel einfacher. Einmal füttern und danach direkt wieder in die Kissen sinken. Herrlich.

Bei all der Nähe darf man sich aber auch als Paar, als Mann und Frau nicht vergessen! Nähe und Sicherheit für das Baby müssen in Einklang mit den eigenen Wünschen gebracht werden. Fühlt Ihr Euch wohl beim Sex, wenn das Baby dabei ist? Ist der eigene Schlaf so massiv gestört, dass Ihr Tagsüber einschlafen könntet? Seid Ihr latent genervt? Schadet es langfristig vielleicht sogar unserer Beziehung?

Herausforderungen, die angesprochen und gemeistert werden wollen.

Und zum Abschluss noch etwas Überraschendes: Bisher hat noch jedes Kind gelernt, alleine zu schlafen. Die einen später. Die meisten früher. Optimieren kann es sich dann später noch genug. Wenn es Erwachsen ist. Alt genug, um dumme Entscheidungen für sich zu treffen.

Schlaf, Baby, Schlaf!