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Neulich am Flaschenautomaten. Ein Vater und sein Sohn. Linus. Also, der Sohn. Und sein Vater. Ein großer Sack. Also nein, nicht der Vater. Ich weiß nicht wie der Vater hieß. Ist ja jetzt auch egal. Der Vater hatte also einen großen blauen Sack in der Hand. Linus nahm die Flaschen daraus. Die kamen dann in den Automaten. Bis hierhin eine normale, nachvollziehbare Situation. Ein Vater und sein Sohn. Bei einem gemeinsamen “Abenteuer”. Doch das hier war kein Abenteuer. Es war viel mehr. Abenteuerlich.

Linus und sein Papa waren Buddies. Freunde. Gleichgestellt. Eine Einheit. Ein WIR. Linus durfte alles so machen wie er es wollte. Alles. Ich schätzte ihn auf 4 Jahre. Aber vermutlich durfte er sich sein Alter auch selber aussuchen. Und der Papa. Der fragte im Sekundentakt seinen kleinen Linus: “Na, wollen WIR die nächste Flasche da auch rein stecken? Na, wollen WIR die große Flasche da auch rein stecken? Wollen WIR …”

Ich dachte nur: HÄH!? Ihr steht an einem Flaschenautomaten. Ein Sack und ein Sohn. Natürlich wollt ihr die Flaschen da reinstecken. Egal wie groß.

Rechnet man nun 35 Flaschen zu je 30 Sekunden, von der WIR-Entscheidung bis zum Einwurf, macht das: 17,5 Minuten. 17,5! Für 35 Flaschen. Oder waren es 36? Ich bin nicht sicher. In derselben Zeit hatte auf jeden Fall schon das zweite meiner Kaugummis komplett den Geschmack verloren. Mir war auch ein bisschen schlecht. Vom Geruch des Automaten. Ein wenig vom Kaugummi. Fresh Lemon. Aber vor allem von dieser Art mit seinem Kind umzugehen.

Ich versuche, so gut es geht, jedem seine Art zu leben und zu handeln zu überlassen. Und aktiv einmischen würde ich mich niemals. Doch nach dem Motto: “Ich hab ja nichts gegen,  … aber …” erwischte ich mich selber dabei, die Art dieser Beziehung von Vater und Sohn massiv in Frage zu stellen und direkt, stillschweigend zu bewerten:

Ein Vater und ein Kind sollten keine Freunde sein.

In meinen Augen braucht eine Vater-Kind-Beziehung eine gesunde Form der Hierarchie. Meine Aufgabe ist es, dem Kind das Zusammenspiel von Situation, Entscheidung, Handlung und Folge zu erläutern. Und das bedeutet, nicht jede Situation komplett von vorne zu überdenken. Schon gar nicht bei einer Handlung, deren Folge immer dieselbe ist. Ein Flasche ist leer. Eine Automat nimmt diese stinkend, aber mit einem lustigen Knistern im Bauch in sich auf. Die Flasche gehört demnach mit 110%iger Sicherheit in diesen Automaten. Immer neu entschieden werden, muss hier definitiv nichts. Meinem Kind sage ich also: “Alle leeren Flaschen aus dem Sack in den Automaten. Du darfst sie reinstecken.” ABENTEUER!!! Lustiges Knistern. “Und damit die Menschen hinter uns nicht warten müssen machst Du das zügig aber nicht hektisch.”

Linus war übrigens ziemlich fertig nach diesem “Abenteuer”. Er heulte ein bisschen. Und sein Papa fragte: “Wollen WIR dir mal die Tränen abwischen?” Linus blickte plötzlich mich fragend an. Ich nickte bestimmt. Er hörte auf zu heulen. Endlich nahm ihm mal jemand eine Entscheidung ab. Und er nahm sich ein Taschentuch. Linus und ich werden wohl keine Freunde.